Dave war einer der ersten Marsbewohner und seit 102 Jahren der führende Wissenschaftler auf Biosphere 8. Er bedauerte immer, dass er schon 45 Jahre alt war, als man den Alterungsprozess endlich wirksam aufhalten konnte. Da hatte ich mit meinen damals 21 Jahren noch Glück gehabt.
Als ich bei Dave eintraf, war er gerade mit seinem Butler James in ein Schachspiel vertieft. Ohne aufzuschauen sagte er knapp: „Mach´s dir erstmal einen Moment bequem.“ - ‚Was für eine nette Begrüßung‘, dachte ich: „Ich wünsche dir auch einen Guten Morgen!“
Also sah ich mich in seinem Wohngarten um. Er war als Anbau an die Stadtkuppel errichtet worden. Innerhalb des Glasgewölbes war eine kleine Landschaft angelegt. Den Wohnteil konnte man leicht für die Überreste einer antiken Ruine halten, da die einzelnen Räume nur von unterschiedlich hohen Mauern angedeutet wurden.
Hier drüben unter der Palme hatte ich Cheryl kennengelernt. Sie war eine der bedeutendsten Frauen in meinem Leben. Leider übernahm sie diesen Job auf einer Station im Jupiterorbit, bevor mehr als eine gute Freundschaft aus unserer Beziehung entstehen konnte, aber über Holo sahen wir uns fast jeden Tag.
In der Mitte der Kuppel war eine Aussichtsplattform angebracht, von der aus man einen guten Blick auf das Pathfinder Monument werfen konnte.
Das Terrain, das er seinerzeit erkundet hatte, wurde unter einer Plexglas – Kuppel in seinem Urzustand erhalten. Durch Pathfinder war es gegen Ende des 20. Jahrhunderts das erste Mal für Millionen von Menschen möglich gewesen, in dem damals gerade populär werdenden Internet aktuelle Bilder vom Mars direkt Zuhause betrachten zu können.
„So jetzt bin ich bereit, wir können losziehen!“ Seinem Gesicht nach zu urteilen hatte er das Spiel gewonnen. „Das wurde aber auch Zeit, die warten bestimmt schon alle auf uns.“ entgegnete ich knapp und wir machten uns auf den Weg zur Schleuse.
Als wir den großen Vorraum betraten, war schon eine ganze Menge Zuschauer anwesend und wir gesellten uns zu den für Ehrengäste bestimmten Plätzen.
Nachdem die beiden Präsidenten endlich ihre Reden hinter sich gebracht hatten, kam zum Schluss Dave an die Reihe. Er hielt nicht viel von großen Ansprachen und bedankte sich einfach nur bei den vielen Mitarbeitern für die Zuverlässigkeit, die sie an den Tag gelegt hatten und ohne deren Arbeitseifer dieses Ereignis heute gar nicht stattgefunden hätte.
Nach tosendem und lange anhaltendem Beifall legte sich eine ehrfürchtige Stille über die Menge als wir den Schleusenraum betraten und sich die Schotts langsam öffneten. Wir traten durch die geöffneten Schleusen ins Freie. Es war ein wunderschöner sonniger Tag. Das erste mal konnten Menschen diesen Geruch einer unberührten neuen Welt in ihre Lungen aufnehmen und diese herrliche Landschaft mit unverhüllten Augen genießen. Als sich nach einer Weile langsam die übrigen Bewohner von Biosphere 8 zu uns gesellten, um das wohl einmaligste Picknick der Geschichte zu feiern, ging ich zu Dave, um ihn zu umarmen: „Auf die Zukunft, Alter!“…
(Fortgesetzte Kurzgeschichte in drei Teilen. Eigener Beitrag im Rahmen des 1999er Schülerwettbewerbs „Geschichten aus dem 3. Jahrtausend”: “Leben im dritten Jahrtausend” (1.Platz Berufschulen Unterfranken, veröffentlicht im Taschenbuch zum Wettbewerb “Generation 3000 – Geschichten aus der Zukunft” Herrausgeber: Nevfel Cumart))
